Schalom und ein herzliches Willkommen!

 



                  Biblische Tatsachen!


 

Autor:  Yitzchak Grünwald


 

Kostenloser Dateidownload


 

Ist das nicht Josefs Sohn?

Josef, mit dem verlobt war Maria, die Jungfrau, zeugte Jeschua. Mat.1:16 nach Codex Syrus JoSinaticus

Dieses alte semitische Zeugnis in Aramäisch, der Sprache Jeschuas steht im direkten Widerspruch zu der orthodoxen christlichen Lehre, gemäß welcher Jeschua von Gott, dem Allmächtigen gezeugt wurde. Diese Auffassung stützt sich auf die griechischen Handschriften des Neuen Testamentes. Welche von beiden Lesearten ist die ursprüngliche? – Dieser Frage soll im folgenden nachgegangen werden.


 


 

Das Zeugnis der Schrift

Im Tenach gibt es mehrere Geschichten von wundersamen Geburten. Die bekannteste ist jene von Abraham und seiner Frau Sarah, die noch mit 90 Jahren kinderlos war und die Menopause schon lange hinter sich hatte: «… so daß es Sarah nicht mehr nach der Weise der Frauen ging» Bereschit 18:11. Auch Abraham war schon ein Hundertjähriger. Beide waren körperlich nicht mehr frisch: «Nachdem ich verblüht bin, soll mir noch Wonne zuteil werden? Dazu ist mein Herr ein alter Mann!» Bereschit 18:12. Trotzdem war es Abraham und Sarah durch die Kraft der göttlichen Verheißung möglich, den Jitzchak zu zeugen bzw. zu gebären. Auch Jitzchaks Frau Rivka war unfruchtbar. Doch wegen Jitzchaks beharrlichen Gebeten griff JAHWEH ein und die Zwillinge Esaw und Jaakov wurden geboren.  

Dem Jaakov erging es ähnlich wie seinem Vater Jitzchak. Auch seine Frauen Lea und Rachel blieben kinderlos. Doch JAHWEH hatte zuerst mit Lea Mitleid und «öffnete ihren Mutterschoß» Bereschit 29:31, dann erhörte er auch das Flehen von Rachel (Bereschit 30:22). Auch die Gebete von Channah wurden erhört, so daß sie den Propheten Schmuel gebar (1. Schmuel 1:1-20). Allen diesen Geschichten ist gemeinsam, daß das Wunder nicht durch eine direkte Zeugung JAHWEHs erfolgte, sondern durch sein gnädiges Eingreifen, damit die menschliche Zeugung gelang.  

JAHWEH ermöglichte die wundersame Zeugung im Rahmen und nicht außerhalb seiner Schöpfungsordnung. Was ist aber mit der Prophezeiung aus Jeschajahu 7:14, wonach eine Jungfrau schwanger werden sollte? Diese beruht auf einer irreführenden Übersetzung, die sich auf die Septuaginta, also die griechische Übersetzung des Tenach (AT), stützt, welche das hebräische almah mit dem griechischen parthenos, also mit Jungfrau, übersetzt. Das zugrunde liegende hebräische Wort almah ist aber bedeutungsoffen. Es kann zwar Jungfrau bedeuten, muss es aber nicht. Wäre eindeutig eine Jungfrau gemeint gewesen, dann hätte das Wort betulah verwendet werden müssen. Aber selbst wenn eine Jungfrau gemeint wäre, dann spricht der Text nicht von einer jungfräulichen Empfängnis in dem Sinne, daß ohne Geschlechtsverkehr eine Eizelle befruchtet wird.  

Der Ur-Matthäus der Ebioniten  

Laut den frühen Aufzeichnungen des Kirchenvaters Justin waren die Ebioniten die direkten Nachkommen der Jerusalemer Urgemeinde. Ihren Namen leiteten sie von dem hebräischen ebjon ab, was arm bedeutet. Sie trennten sich von der christlich-heidnischen Hauptkirche gegen  Ende des 1. Jahrhunderts  und überlebten noch bis ins  5. Jahrhundert. Die Ebioniten lehnten sowohl die jungfräuliche Geburt als auch die Präexistenz Jeschua ab. Deswegen wurden sie von den Kirchenvätern als Häretiker vedammt.  

Eusebius, der Kirchenvater des 4.Jahrhundert, stellt in seiner  ‹Kirchengeschichte› fest, daß Jeschua für sie das Kind einer normalen Verbindung zwischen Josef und Mirjam war. Auch Epi- phanius klagte, daß Jeschua für sie nur ein Mensch, «vom Samen eines Menschen» sei. Irenäus schrieb in seinem Werk ‹Wider die Ketzereien›, daß sie «nicht willens waren, zu verstehen, daß der Heilige Geist über Maria gekommen war und die Kraft des Höchsten sie überschattet hatte». Er erwähnte weiter, daß sie das Wort parthenos (Jungfrau) in der Septuaginta in ihrer Version des Jesaja 7:14 durch den Begriff neanis (junge Frau) ersetzt hatten. Die Mangelhaftigkeit der Septuaginta wäre für sie ein Beweis dafür, daß die christliche Kirche mit dem Dogma der jungfräulichen Empfängnis falsch liege. Gemäss dem Kirchenvater Epiphanus enthielt ihr Evangelium, das man als Ur-Matthäus bezeichnen kann, die Geburtsgeschichte Jeschuas nicht. Daher muss man annehmen, daß diese Geburtsgeschichte erst später hinzugefügt wurde. Warum dies getan wurde, können wir besser beurteilen, wenn wir zuvor die Vorstellungen der Heiden zur Jungfrauengeburt kennen lernen.  

Die Jungfrauengeburten der Heiden  

In der gesamten heidnischen Welt wimmelte es nur so von Jungfrauengeburten. Der babylonische Gott Adonis wurde von der Jungfrau Ishtar (Astarte) geboren, Krishna von der Jungfrau Deveki, Buddha von der Jungfrau Maya und auch Zaratustra wurde von einer Jungfrau geboren. Wir konzentrieren uns aber hier vor allem auf jene heidnischen Länder in der Umgebung Israels. Bei den Ägyptern wohnte der Gott Amun-Re der jungfräulichen Königsgattin bei und zeugte mit ihr einen Sohn. Am 25. Dezember beging man in Ägypten zur Wintersonnwende sein Fest, bei dem die Feiernden riefen: "Die Jungfrau hat geboren, es nimmt zu das Licht" (Wie Weihnachten). Der griechische Gott Aion wurde von der Jungfrau Kore geboren.  

Von dem Philosophen Platon glaubte man, er sei nicht der Sohn des Ariston, sondern eines Geistes gewesen, der sich in der Gestalt des Gottes Apollon der Amphiktione (Platons Mutter) genähert habe. Ariston sei (wie Josef) daran gehindert worden, der Amphiktione beizuwohnen, ehe sie den von Apollon gezeugten Sohn geboren hätte. Auch von Alexander dem Großen nahm man an, daß er nicht von Philipp, dem Gatten seiner Mutter Olympias gezeugt wurde, sondern vom griechischen Göttervater Zeus höchstpersönlich. Der nabatäische Gott Dusares galt als ‹alleingezeugt von Gott› (vergl. Joh.1:18) und seine Mutter hieß auf arabisch Chaamou, was übersetzt ‹die Jungfrau› bedeutet. Doch damit nicht genug.  

Auch Apollonios von Tyana, ein pythagoräischer Weiser des 1. Jahrhunderts n.C., galt als Sohn des Zeus. Er vollbrachte Wun- derheilungen und konnte Tote wieder zum  Leben erwecken. Die heidnischen Anhänger des Apollonios sahen ihn dem christlichen Jesus als überlegen an.  

Der römische Mithras  wurde von seinem Vatergott ausgesendet, um die Welt zu retten Er wurde am 25. Dezember in einer Steinhöhle von der Jungfrau Dea Caelestis geboren. Nach seiner Geburt wurde er von Hirten angebetet, die ihm die Erstlinge ihrer Früchte und Herden dargebracht haben. Später fuhr er wieder zum Sonnengott auf, wurde von diesem inthronisiert und Glied einer Trinität. In diesem kulturellen Milieu musste den Heiden einen Christus proklamiert werden, der mindestens aus dem gleichen Holz wie die heidnischen Götterssöhne und Erlöser geschnitzt sein musste. Vor diesem Hintergrund erscheint die Geburtsgeschichte des griechischen Matthäus in einem ganz anderen Licht.

Der griechische Matthäus 

An der zugefügten Geburtsgeschichte in der griechischen Version des Matthäusevangelium  können wir deutlich erkennen, daß sie an ein heidnisches Publikum adressiert war und dazu geschaffen wurde, dessen Vorstellungen und Erwartungen zu entsprechen. Das sieht man erstens an der unüblichen Nennung von Frauen im Stammbaum des Matthäus. Mit Ausnahme von Mirjam stammten alle Frauen aus einem fremden Geschlecht. Das sollte den heidnischen Lesern signalisieren, daß Jeschua zwar ein Jude war, sein Stammbaum aber auch Nichtjuden einschloss.

Ein zweites Indiz dafür, daß die Geburtsgeschichte an ein heidnisches Publikum gerichtet wurde, ist Matthäus 1:23, in dem der Prophet Jeschajahu zitiert wird: "Siehe die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt Gott mit uns." Diese Erklärung "das heißt übesetzt...."fehlt sowohl in der hebräischen Schrift als auch in der Septuaginta, der griechischen Übesetzung des Tenach. Denn von den Juden in der Diaspora, für welche die Septuaginta ürsprünglich gedacht war, wurde vorausgesetzt, daß sie wussten, was Immanuel bedeutet. Daraus lässt sich schließen, daß der griechische Matthäustext überwiegend an die Heiden gerichtet war. 

Ein dritter Hinweis ist die willkürliche Deutung dieses Jeschajahu-Zitates. Der prophetische Hinweis besteht hier nämlich gar nicht in der Jungfräulichkeit der Mutter, sondern in der Bedeutung des Namens, den sie ihrem Sohn geben soll. Dieser Immanuel sollte den Einwohnern von Jerusalem, welches zu jener Zeit von den zwei feindlichen Königen Arams und Nord israels belagert wurde, göttlichen Schutz bringen. Die Prophetie bezog sich also nur auf die nahe Zukunft, denn "....ehe der Knabe lernt, das Böse zu verwerfen und das gute zu erwählen, wird das Land, vor dessen beiden Königen dir graut, verlassen sein." Jeschajahu 7:16. Bald darauf eroberten die Assyrer tatsächlich Damaskus und Nordisrael, die Gefahr war gebannt und die Weissagug erfüllt.

Um die jungfräuliche Geburt zu verkündigen, musste allerdings die echte Vaterschaft Josefs geleugnet werden. Das führte aber unweigerlich zu einem Widerspruch, denn der König-Messias musste von der väterlichen Seite her leiblich aus dem Haus Davids stammen. Um diesen Widerspruch zu mildern, wude schon früh behauptet, Jeschua sei der Sohn Josefs nach dem Gesetz. Josef habe Jeschua adoptiert und dadurch der Anspruch auf den Thron auf Jeschua übertragen. Begründet wird dies damit, daß der Name Jeschuas von Josef gegeben wurde (Mattitjahu 1:21). Allerdings geht das Matthäus-Evangelium von der Prophetie Jeschajahus in der Septaguinta aus, wo es heißt "sie werden ihm den Namen Immanuel geben", wobei gar nicht klar ist, wer ihm genau den Namen gibt. Dies steht auch im Widerspruch zu dem Lukas-Evangelium, wo Mirjam als Namensgeberin auftritt (Lukas 1:31)

Von Trinitariern wird auch öfters auf einen Abschnitt in der jüdischen Mischna (alter Torahkommentar) hingewiesen, der beweise, daß die Juden zur Zeit Jeschuas die Adoption allgemein praktiziert hätten. Hier steht dann auch wirklich: Wenn ein Mann sagt «dies ist mein Sohn», so gilt es. Diese Regel bezieht sich aber ausschliesslich auf die Schwagerehe, bei der ein Mann die Frau seines verstorbenen Bruders geheiratet hat. Für Josef und Mirjam gilt es daher nicht. Nach dem Gesetz konnte Josef also Jeschua gar nicht adoptieren. Somit bestünde, wenn man von der jungfräulichen Empfängnis ausgeht, kein Anspruch Jeschuas auf den messianischen Thron.

 

Eine biblische Jungfrauengeburt  

Mirjam aber sprach zu dem Engel: «Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiß?» Lukas 1:34  

Diese Frage der Mirjam ergibt im Zusammenhang absolut keinen Sinn. Denn sie war doch bereits mit Josef verlobt und ihre Heirat stand unmittelbar bevor. Dahinter steht etwas Unausgesprochenes. Es wird in Lukas ja niemals erwähnt, daß sich Josef zwischen der Verkündigung und der Geburt vom Geschlechtsverkehr enthielt. Das Geheimnis zur Deutung der Geburtsgeschichte des Lukas könnte im mehrdeutigen Begriff der Jungfrau des antiken Judentums verborgen liegen. Dort gab es nämlich verschiedene Vorstellungen von Jungfräulichkeit. Die erste, uns geläufige Form ist die einer Frau, welche noch nie Geschlechts verkehr hatte. Nach der zweiten Vorstellung, welche sich in der Mischna findet, ist eine Jungfrau ein Mädchen, das noch «kein Blut gesehen hat», also noch keine Menstruation hatte. Es war damals üblich, daß Mädchen schon früh verheiratet wurden. Das traf wahrscheinlich auch auf Mirjam zu. Sie wäre dann schon als sehr junges Mädchen vor dem Einsetzen der Menstruation mit Josef verlobt und verheiratet worden. Die Zeugung Jeschuas könnte demnach vor dem Einsetzen der ersten Menstruation erfolgt sein.  

Ein verborgener Hinweis dafür könnte auch die am Beginn des Lukas-Evangelium genannte wundersame Geburt des Täufers Jochanan sein, welche etliche Vorbilder im Tenach hat. Sein Vater Zacharias war schon im hohen Alter und seine Mutter Elisheva hatte die Wechseljahre bereits hinter sich. Trotzdem erzeugen die beiden mit Gottes Hilfe den Jochanan. Nun ist es hilfreich zu wissen, daß in der damaligen Zeit auch Frauen nach der Menopause als Jungfrauen bezeichnet wurden. Der alexandrinische Jude Philo beschrieb die alte Sarah als eine Frau, die «von der Weiblichkeit zur Jungfräulichkeit» übergegangen ist. Nach dem damaligen Verständnis war also auch Elisheva (wieder) eine Jungfrau geworden. Die jüdische Logik hinter den wundersamen Geburtsgeschichten von Lukas könnte daher die folgende sein: Wenn JAHWEH schon die ‹Jungfrau› Elisheva nach der Menopause (wieder) schwanger werden lässt, dann ist es für ihn auch eine leichte Angelegenheit, die körperlich noch unreife Jungfrau Mirjam von Josef schwanger werden zu lassen. Die wunderwirkende Rolle des Ruach HaKodesch (hl. Geistes) würde dann in einer Heiligung des Kindes im Mutterleib bestanden haben, gemäss dem Prophetenwort: «JAHWEH hat mich von Mutterleib an berufen und meinen Namen von Mutterschoss an bekanntgemacht.» Jeschajahu 49:1.  

Das Zeugnis der Evangelien  

In alten Manuskripten des Lukas-Evangeliums wird Josef direkt nach der Geburt Jeschuas als dessen Vater genannt: «… sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde …» Lukas 2:33. Das wurde später abgewandelt in «Und Josef und seine Mutter wunderten sich …» Ähnliches gilt für den zwölfjährigen Jeschua im Tempel. Dort hieß es ursprünglich: «Siehe dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht.» Lukas 2:48. Später wurde das in manchen Übersetzungen zu «Wir haben Dich mit Schmerzen gesucht» abgewandelt.  

Das Evangelium des Markus, welches als das älteste der Evangelien gilt, weiß noch nichts von einer Jungfrauengeburt. Dort wird er zwar ‹Sohn der Maria› genannt, manche Gelehrten sehen darin jedoch nur eine unübliche Bezeichnung, die unterschiedlich ausgelegt werden kann. Es wurden gelegentlich sogar auch Rabbiner anhand ihrer Mutter identifiziert, wie z. B. «Rabbi Yose, Sohn einer Frau aus Damaskus». Daran war weder etwas Anstößiges, noch etwas Besonderes.  

Im Johannesevangelium wird Jeschua ausdrücklich als ‹Sohn Josefs› bezeichnet: «Wir haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, den Sohn Josefs, von Nazareth.» Jochanan 1:45. Und: «Ist dieser nicht Jeschua, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen?» Jochanan 6:42.  

Das Zeugnis des Paulus  

Paulus kennt keine Jungfrauengeburt. Im Brief an die Galater schreibt er: «Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan…» Galater 4:4. Das Wort gyne, welches hier für Frau verwendet wird, bezeichnet im Griechischen eindeutig keine Jungfrau. Im Brief an die Römer benennt Paulus Jeschuas Herkunft «aus dem Samen Davids» Römer 1:3., ein eindeutiger Hinweis auf einen biologischen Vater. Andererseits hat Paulus aber die theologischen Voraussetzungen für das Dogma der Jungfrauengeburt geschaffen, indem er die Grundlagen für die Erbsündenlehre lieferte.  

Die Lehre von der Erbsünde  

Paulus stellt dem ersten Adam, der die Sünde und den Tod in die Welt brachte, den zweiten Adam gegenüber. Dieser zweite perfekte Adam war gemäss Paulus Jeschua, der die Sünde und den Tod wieder aus der Welt geschaffen hat. Diese Lehre, welche sich im Tenach nicht findet, wurde von dem Kirchenvater Justin weiterentwickelt. Der sündigen Eva wurde nun auch noch die makelose Maria gegenüber gestellt. Der kirchenvater Augustinus betrachtete die sexuellen Gefühle als eine Strafe Gottes für die Sünde von Adam und Eva. Die böse Begehrlichkeit belaste seither als Erbsünde alle Menschen und durch die Lust beim Geschlechtsakt ginge diese Erbsünde auf die gezeugten Kinder über. Daher wäre nach der Lehre des Augustinus der perfekte Mensch Jesus nicht mehr perfekt gewesen und hätte die Sünde und den Tod nicht aus der Welt schaffen können, wenn er auf normale Art und Weise geschlechtlich gezeugt geworden wäre. Er musste also ein Sohn Gottes nach dem heidnischen Verständnis sein.  

Der heidnische Sohn Gottes  

Für die Heiden war ‹der Sohn Gottes› jemand, der von Gott direkt gezeugt wurde. Das bildete dann die Grundlage des späteren christlichen Trinitäts-Dogmas. Dieses schließt eine menschliche Vaterschaft aus, da ja hier der Sohn wesenseins mit dem Vater ist. Das Dogma der Jungfrauengeburt wurde daher zeitlich nach dem Trinitätsdogma proklamiert. Gleichzeitig wurde Maria zur Gottesgebärerin erhoben.  

Der hebräische Sohn Gottes  

Demgegenüber haben die Hebräer eine ganz andere Vorstellung von Gottessohnschaft. Sohn Gottes zu sein, bedeut für sie zunächst einmal, daß man in einer engen Beziehung zu JAHWEH steht. Sohn Gottes ist naturgemäß zuerst einmal das auserwählte Volk, welches in einer Bundesbeziehung mit ihm steht. Jeder männliche Israelit kann sich daher ebenfalls ein ‹Sohn Gottes› nennen (Hosea 11:1). Insbesondere wurden einzelne gerechte Israeliten, die treu der Torah folgten, als Söhne Gottes bezeichnet, weil sie sich damit im Einklang mit dem Willen Gottes befanden. Auch wurde der jüdische König sinnbildlich als von Gott gezeugt angesehen. «Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.» Psalm 2:7. Dieses Psalmwort, das sich auf die Einsetzung eines neuen Königs bezieht, meint aber nicht, daß der König von Gott leiblich gezeugt wurde, sondern daß er ihn adoptierte, als Führer des Volkes beauftragte und rechtlich zur Einhaltung von Gottes Willen verpflichtete. Auch David wird von Gott als «mein Sohn» angeredet (2. Schmuel 7:14).   

Auserwählt zum Sohn Gottes  

Die Ebioniten glaubten, dass Jeschua als ‹Sohn Davids› in gleicher Weise wie vor ihm die Könige Israels zum Sohn Gottes erwählt wurde. Entsprechend sagt in einer alten Lukas-Version die himmlische Stimme in Anlehnung den Krönungspsalm bei der Taufe: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.» (Ps.2:7) Demnach wäre Jeschua bei seiner Taufe von Gott adoptiert und mit dem Ruach HaKodesch gesalbt worden (2.Sa.7:14). So heisst es auch von Schaul, dass er durch die Königssalbung in einen anderen Mann verwandelt und bevollmächtigt würde, so dass ihm alles gelänge, was er anpacken würde: «Da wird der Geist JAHWEHS über dich kommen, daß du mit ihnen weissagst, und du wirst in einen andern Mann verwandelt werden. Wenn dir dann diese Zeichen eingetroffen sind, so tue, was dir unter die Hände kommt, denn Gott ist mit dir.» 1. SchmuEl 10: 5-7  

Von Jeschua sagt die himmlische Stimme bei der Verklärung auch im kanonisierten NT: «Das ist mein Sohn, den ich auserwählt habe. Auf ihn sollt ihr hören!» Lukas 9:35. Dies macht nur Sinn, wenn Jeschua nicht der einzige Sohn Gottes ist. Denn wo es nur einen gibt, kann man keinen auserwählen. Die Worte «auf ihn sollt ihr hören» wiederum weisen auf die Prophezeiung von Mosche hin, der kurz vor seinem Tod das Volk IsraEl noch einmal ermahnte und dabei zum Abschied sagte: «Einen Propheten wie mich wird dir JAHWEH, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören» Dewarim 18:15. Auch gemäss diesem Schriftwort wird der Prophet aus der Mitte seiner menschlichen Brüder auserwählt und durch den Rach HaKodesh erweckt. Und wie Mosche ist auch Jeschua ein prophetischer Verkünder.  

Die bitteren Früchte des Jungfrauendogmas  

Wenn es Lehrmeinungen und Dogmen an Wahrheit mangelt, dann werden sie eben mit Verleumdung und Gewalt verteidigt. So wurden die Ebioniten, die Nachfolger der Jerusalemer Urgemeinde, schon bald von Irenäus und Epiphanius als Sektierer und Häretiker verleumdet. Origines, ein Kirchenvater, verspottete sie, indem er ihren Namen ‹die Armen› zu ‹arm an Geist› umdeutete. Ihre Schriften wurden vernichtet. Bereits im 3. Jahrhundert wurden Juden, welche die Jungfrauengeburt ablehnten, von der Kirche verfolgt. Eine Schlüsselrolle spielte dabei die unterschiedliche Ansicht über JeschaJahu 7:14.  

Im Katholizismus gefangen  

Selbst Christen, die das Trinitäts- und Präexistenzdogma ablehnen, bekennen sich immer noch zum Dogma der Jungfrauengeburt. So schreibt Joel W. Hemphill in seinem Buch ‹Gott sei die Ehre›: «Wenn der ‹kleine Mensch› heutzutage im Labor Schafe klonen kann, wie können wir dann nicht glauben wollen, daß Gott mit der “ Kraft Seines heiligen Geistes über eine Jungfrau gekommen ist und einen männlichen Samen geschaffen hat, der eine ihrer Eizellen befruchtete, aus der sich dann ein männliches Kind entwickelt hat, ein zweiter Adam, in dessen Körper gerechtes, sündloses Blut floss, dass unbelastet war von der Sünde und dem Tod von Marias Urvater im Fleisch, dem ersten Adam? 

Es geht jedoch gar nicht darum, ob Gott das kann, sondern ob er es auch will. Sein unverrückbarer Wille lautet: «Seid fruchtbar und mehret euch!» Bereschit 1:28. Und dieses allererste Gebot der Schrift gilt ohne Ausnahme. Laut Psalm 89:5 soll der Maschiach aus dem Samen Davids hervorgehen. Warum sollte dann irgendein Same künstlich in Maria implantiert werden, wenn der ‹Same Davids› durch Josef schon da ist? Was ist da schlecht daran? Weil dadurch die Sünde übertragen würde? Welche Sünde denn? Die Erbsünde? Wo steht sowas in der Schrift?   

Doch gehen wir mal davon aus, daß es die Erbsünde gibt. Was ist dann mit Mirjam? Sie wäre dann auch mit der Erbsünde belastet gewesen und hätte diese an Jeschua weitergegeben. Folgerichtig wurde auch Mirjam durch die katholische Kirche von diesem ‹Makel› der Erbsünde befreit und das Dogma der Unbefleckten Empfängnis entwickelt. Kurzum: Wenn man schon dieses Dogma der Jungfrauengeburt verteidigt, dann müsste man konsequenter Weise auch zu den anderen katholischen Dogmen zurückkehren. Zum Dogma der Trinität, weil nach diesem der Sohn wesenseins mit dem Vater ist und dadurch ein menschlicher Vater ausgeschlossen wird und zum Dogma der Unbefleckten Empfängnis, denn nur so wäre Jeschua wirklich frei von der Erbsünde. 

Vertauschte Väter  

Diese Dogmen führen aber in die Irre, weil sie die Vaterschaften vertauschen. Das Zeugnis der Schrift, die Geschichte der Ebioniten und etliche alte Lesarten der Evangelien zeigen uns dagegen, daß nicht Josef Jeschuas Adoptivvater ist, sondern JAHWEH. Der Tempel in Jerusalem  hatte auch zwei Baumeister- Schlomo und JAHWEH (2.Schmuel 7:11,13). Es gibt also in beiden Fällen einen materiellen und einen geistigen Baumeister. Dieses hebräische Denken zu verstehen ist wichtig, wenn wir von der Zeugung Jeschuas sprechen. Jeschua hat also einen leiblichen und einen geistigen Vater - Josef und JAHWEH.  

Der Erste unter vielen Brüdern  

Jeschua hat sich selbst nie als einzigen Sohn Gottes verstanden. Das zeigt sich z.B. im berühmten ‹Vater unser›-Gebet. Indem er Gott als ‹unser Vater› anspricht, bezeugt Jeschua, daß er sich als ein Sohn Gottes unter vielen versteht. Er war auch nicht deshalb ein Gerechter, weil er etwa von einer Jungfrau geboren wurde, sondern weil er die Torah vollkommen lebte. Das konnte er, weil er bei seiner Taufe durch den Ruach HaKodesch dazu befähigt wurde. Wenn er von Gott direkt gezeugt worden wäre, dann wäre er eben kein Mensch mehr gewesen, sondern ein Halbgott, ein unerreichbares Ideal. Dann könnte er aber auch nicht unser Bruder sein, auf den wir hören und dessen Beispiel wir folgen sollen, wie Mosche sagt: Einen Propheten wie mich wird dir JAHWEH, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören. Dewarim 18:15  

 

Zurück zur Startseite